

Stefan der Storch stand stolz in seinen roten Stiefeln. Auf seinem Kopf saß der Tiroler Hut mit der Feder. "Hier ist der Brief für den Bürgermeister", sagte die Postfrau. "Sehr wichtig! Eine Einladung zum großen Fest." Stefan nickte ernst. Er nahm den Brief vorsichtig in seinen Schnabel. "Ich bringe ihn pünktlich!", versprach er. Dann breitete er seine großen Flügel aus. Los ging die wichtige Reise!

Stefan flog hoch über die Dächer. Die Sonne schien warm auf sein weißes Gefieder. Unten sah er Kinder spielen. Sie winkten ihm zu. Stefan war glücklich. Er liebte es, der Postbote zu sein. Der Brief war sicher in seinem Schnabel. "Gleich bin ich beim Brunnen", dachte er. "Dann ist es nicht mehr weit zum Rathaus." Der Wind trug ihn sanft weiter.

Stefan landete am Dorfbrunnen. Er wollte kurz Wasser trinken. Seine Feder am Hut wippte im Wind. Stefan beugte sich zum Wasser hinunter. Plötzlich rutschte ihm der Brief aus dem Schnabel! "Oh nein!", rief Stefan erschrocken. Der weiße Umschlag fiel ins Wasser. Er schwamm auf der Oberfläche. Stefan musste schnell handeln! Die Tinte würde verlaufen!

Stefan schaute ins Wasser. Der Brief schwamm schon zur Mitte. "Ich muss etwas tun!", rief er laut. Mit seinen langen Beinen watete er ins Wasser. Seine roten Stiefel wurden nass. Stefan streckte seinen Schnabel weit aus. Fast hatte er den Brief! Noch ein kleines Stück! Da griff er zu. Geschafft! Stefan hatte den Brief!

Stefan kletterte aus dem Brunnen. Der Brief tropfte vor Nässe. Die Tinte begann zu verlaufen. "Das ist eine Katastrophe!", jammerte Stefan. Sein Hut hing schief auf dem Kopf. Seine Stiefel quietschten. Was sollte er nur tun? Er konnte den Brief nicht so abgeben. Der Bürgermeister würde nichts lesen können. Stefan musste eine Lösung finden!

Stefan dachte nach. "Die Sonne!", rief er plötzlich. "Die warme Sonne kann helfen!" Er flog zu einem sonnigen Platz. Dort legte er den Brief auf einen flachen Stein. Die Sonne schien hell darauf. Stefan fächelte mit seinen Flügeln. So würde der Brief schneller trocknen. "Das muss klappen", hoffte er. Er schaute zur Kirchturmuhr. Noch hatte er Zeit!

Stefan wartete ungeduldig. Die Minuten vergingen langsam. Er fächelte weiter mit den Flügeln. Sein Hut rutschte ihm dabei vom Kopf. Stefan setzte ihn wieder auf. Der Brief wurde langsam trockener. Die Tinte verlief nicht mehr. "Gut so!", sagte Stefan erleichtert. Aber war der Brief noch lesbar? Stefan beugte sich vor. Ja! Man konnte fast alles lesen!

Der Brief war endlich trocken genug. Stefan nahm ihn vorsichtig in den Schnabel. Er musste jetzt schnell sein! Das Rathaus war nicht mehr weit. Stefan flog los. Seine roten Stiefel glänzten in der Sonne. Die Feder am Hut flatterte im Wind. "Ich schaffe das!", rief Stefan mutig. Er flog über die Marktplatz. Dort stand das große Rathaus!

Stefan landete vor dem Rathaus. Die Treppe war sehr hoch. Er hüpfte Stufe für Stufe nach oben. Seine Beine waren lang, aber auch müde. Die schwere Tür stand offen. Stefan ging hinein. Alles war aus Holz und sehr alt. "Wo finde ich den Bürgermeister?", fragte er sich. Da sah er ein Schild. "Büro des Bürgermeisters" stand darauf!

Stefan klopfte an die Tür. "Herein!", rief eine freundliche Stimme. Stefan öffnete die Tür. Der Bürgermeister saß am Schreibtisch. Er schaute überrascht. "Stefan der Storch!", sagte er. "Hast du Post für mich?" Stefan nickte stolz. Er legte den Brief auf den Tisch. Der Bürgermeister nahm ihn. "Der Brief ist etwas gewellt", bemerkte er fragend.

Stefan erzählte die ganze Geschichte. Vom Brunnen und dem nassen Brief. Wie er in der Sonne getrocknet hatte. Der Bürgermeister hörte aufmerksam zu. Dann begann er zu lächeln. "Du hast nicht aufgegeben!", sagte er. "Das ist sehr mutig!" Er las die Einladung. "Alles ist noch gut lesbar. Danke, Stefan!" Stefan strahlte. Sein Hut wippte vor Freude!

Stefan flog glücklich nach Hause. Er hatte seine Aufgabe erfüllt! Der Brief war angekommen. Auch wenn es schwierig gewesen war. Stefan hatte nicht aufgegeben. Er hatte eine Lösung gefunden. Das machte ihn stolz. Die Sonne ging langsam unter. Stefan landete in seinem Nest. "Morgen gibt es bestimmt neue Abenteuer", dachte er. Und schlief mit einem Lächeln ein.