

Pickel der Igel schaute aus dem Fenster. Weiße Flocken tanzten vom Himmel. "Der Winter ist da!", rief er fröhlich. Er zog seinen blauen Schal fester um den Hals. Dann hörte er ein Seufzen. Seine Großmutter saß am Tisch mit einem halb fertigen Schal. "Was ist los, Oma?", fragte Pickel besorgt.

"Ich habe eine Stricknadel verloren", sagte Oma traurig. "Der Schal sollte für deinen Cousin fertig werden. Aber jetzt kann ich nicht weiterstricken." Pickel sah den roten Wollschal an. Er war so schön weich! "Wann brauchst du ihn?", fragte er. "In drei Tagen", antwortete Oma. "Oh nein!", rief Pickel.

Pickel krabbelte unter den Tisch. Er suchte überall nach der Nadel. Unter dem Sofa, hinter dem Schrank, im Korb mit der Wolle. Nichts! "Vielleicht ist sie im Garten?", überlegte Pickel. Oma schüttelte den Kopf. "Ich war heute nicht draußen." Pickel setzte sich hin und dachte nach.

Plötzlich sprang Pickel auf. "Ich habe eine Idee!", rief er begeistert. "Was denn?", fragte Oma neugierig. Pickel lief zur Tür. "Ich bin gleich wieder da!" Er zog seine Mütze auf und rannte nach draußen in den Schnee. Oma sah ihm verwundert nach.

Pickel stapfte durch den tiefen Schnee. Seine kleinen Füße machten winzige Spuren. Er kam zu den großen Kiefern am Waldrand. "Hier muss es sein!", murmelte er. Er suchte zwischen den Ästen. Dann fand er sie: eine lange, spitze Kiefernnadel. "Perfect!", jubelte Pickel.

Pickel lief so schnell er konnte zurück. Die Kiefernnadel hielt er fest in der Pfote. Der Wind pustete Schneeflocken in sein Gesicht. Aber das machte nichts! Er hatte eine Lösung gefunden. Oma wartete schon an der Tür. "Was hast du denn da?", fragte sie.

"Eine Kiefernnadel!", erklärte Pickel stolz. "Sie ist lang und spitz wie eine Stricknadel." Oma nahm sie vorsichtig in die Hand. Sie prüfte die Nadel genau. "Das könnte funktionieren!", sagte sie lächelnd. "Lass uns probieren!" Pickel hüpfte vor Freude.

Oma setzte sich wieder an den Tisch. Sie nahm die Kiefernnadel und die alte Stricknadel. Vorsichtig begann sie zu stricken. Klick, klack, klick, klack. Die Nadel funktionierte wunderbar! "Es klappt!", rief Oma glücklich. Pickel klatschte in die Pfoten. Der Schal wurde länger und länger.

"Kann ich helfen?", fragte Pickel. Oma nickte. "Du kannst die Wolle halten." Pickel nahm das rote Wollknäuel. Er hielt es ganz still. Oma strickte und strickte. Die Kiefernnadel glitt sanft durch die Maschen. "Du bist ein kluger Igel!", lobte Oma. Pickel strahlte.

Zwei Tage vergingen. Oma strickte jeden Tag. Pickel half ihr dabei. Er holte mehr Wolle, wenn sie sie brauchte. Er machte heißen Tee für sie. Der Schal wurde immer länger. "Nur noch ein kleines Stück!", sagte Oma am Abend. Pickel war sehr aufgeregt.

Am dritten Tag machte Oma den letzten Stich. "Fertig!", rief sie fröhlich. Der rote Schal war wunderschön geworden. Weich und warm und lang. Pickel bewunderte ihn. "Mein Cousin wird sich freuen!" Die Kiefernnadel hatte perfekt funktioniert. Oma umarmte Pickel fest.

"Danke, mein lieber Pickel", sagte Oma. "Ohne dich hätte ich es nicht geschafft." Pickel kuschelte sich an sie. "Ich helfe dir immer gern, Oma." Draußen schneite es weiter. Aber drinnen war es warm und gemütlich. Der neue Schal lag bereit für das Geschenk. Und Pickel fühlte sich glücklich.
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