

Hans der Bergbock stand auf seinem Lieblingsfelsen. Der kleine graue Bergbock mit den goldenen Hörnchen schaute über die Berge. Die Sonne schien warm auf sein weiches Fell. Plötzlich hörte er ein lautes Rauschen über sich. Ein großer Schatten flog über den Felsen. Hans schaute nach oben und sah einen riesigen Adler am Himmel kreisen.

Der Adler flog tiefer und tiefer. Mit ausgebreiteten Flügeln landete er neben Hans auf dem Felsen. "Guten Tag, kleiner Bergbock", sagte der Adler freundlich. Hans war erst etwas erschrocken. Aber die Augen des Adlers waren sanft und freundlich. "Ich heiße Hans", piepste der kleine Bergbock mutig. "Ich bin Emil der Adler", antwortete der große Vogel.

Hans und Emil unterhielten sich den ganzen Nachmittag. Emil erzählte von seinen Flügen über die Berge. Hans berichtete von seinen Klettereien auf den steilen Felsen. "Möchtest du die Berge von oben sehen?", fragte Emil. Hans nickte aufgeregt mit seinem kleinen Kopf. "Dann komm morgen wieder hierher", schlug Emil vor. Die beiden freuten sich auf ihr nächstes Treffen.

Am nächsten Morgen wartete Hans ungeduldig auf dem Felsen. Emil kam pünktlich angeflogen. "Klettere auf meinen Rücken", rief der Adler. Hans sprang vorsichtig auf Emils breite Flügel. "Halt dich gut fest!", rief Emil. Mit einem kräftigen Flügelschlag hoben sie ab. Hans schaute staunend nach unten. Die Welt sah von oben ganz anders aus!

Emil flog höher und höher in den blauen Himmel. Hans sah die Berggipfel unter sich vorbeiziehen. "Dort unten ist mein Lieblingsfelsen!", rief Hans aufgeregt. Emil lachte und flog eine große Runde. Die anderen Bergböcke unten schauten staunend nach oben. Sie konnten nicht glauben, dass Hans auf einem Adler flog. Hans war sehr stolz und winkte nach unten.

"Ich zeige dir etwas Besonderes", sagte Emil. Er flog über einen hohen Berg zu einem versteckten Tal. Hans hatte dieses Tal noch nie gesehen. Dort unten glitzerte ein wunderschöner blauer See. Bunte Blumen wuchsen am Ufer. "Wow, das ist so schön!", rief Hans begeistert. Emil nickte zufrieden. "Nur vom Himmel aus kann man diesen Ort finden."

Als nächstes flogen sie zu den großen Wasserfällen. Das Wasser rauschte laut von den Felsen hinunter. Kleine Regenbogen tanzten im Wassernebel. "Von hier oben sieht man drei Wasserfälle gleichzeitig", erklärte Emil. Hans staunte über die Kraft des Wassers. Die Wassertropfen spritzten hoch in die Luft. "Das ist wie Magie", flüsterte Hans glücklich.

Emil brachte Hans zu seinem Nest auf dem höchsten Felsen. Dort warteten Emils Frau Emma und ihre drei Küken. "Das ist mein Freund Hans", stellte Emil vor. Die kleinen Adlerküken piepsten fröhlich. Emma begrüßte Hans freundlich. "Du bist der erste Bergbock in unserem Nest", sagte sie lächelnd. Hans fühlte sich sehr geehrt und verbeugte sich höflich.

"Kennst du die große Bergwiese im Osten?", fragte Emil. Hans schüttelte seinen Kopf. "Dann fliegen wir dorthin!", rief Emil begeistert. Sie flogen über viele Täler und Berge. Schließlich sahen sie eine riesige grüne Wiese. Hunderte bunte Blumen wuchsen dort. "Hier gibt es das leckerste Gras", verriet Emil. Hans konnte es kaum erwarten, dort zu grasen.

Auf ihrem nächsten Flug entdeckten sie einen kleinen Bergsee. Das Wasser war klar wie Glas. Hans konnte bis auf den Grund schauen. Kleine Fische schwammen fröhlich herum. "Hast du Durst?", fragte Emil. Hans nickte. Emil flog tief über das Wasser. Hans konnte mit seiner Zunge das kühle Wasser berühren. "Das ist das beste Wasser der Welt!", rief Hans.

Emil zeigte Hans eine geheime Höhle im Berg. Der Eingang war von außen kaum zu sehen. "Hier kann man sich vor Sturm verstecken", erklärte Emil. Sie flogen hinein und landeten auf einem trockenen Felsvorsprung. In der Höhle war es kühl und still. Hans schaute sich staunend um. "Danke, dass du mir alles zeigst", sagte Hans dankbar.

Nach vielen Flügen kannte Hans jeden Winkel der Bergheimat. Er wusste, wo die besten Wiesen waren. Er kannte alle versteckten Täler und Seen. Die anderen Bergböcke fragten Hans oft um Rat. "Wo finde ich saftige Kräuter?", wollten sie wissen. Hans konnte ihnen immer helfen. Emil und Hans trafen sich jeden Tag auf ihrem Felsen. Die beiden besten Freunde waren unzertrennlich.