

Nemo das kleine Erdmännchen spielte jeden Tag unter dem großen Baobab-Baum. Seine runde Brille glitzerte in der Sonne. Heute sah er etwas Besonderes am Boden liegen. Eine wunderschöne bunte Feder! Sie leuchtete rot, blau und gelb. Nemo hob sie vorsichtig auf. Seine Augen wurden groß. "Was für eine schöne Feder!", rief er glücklich. Er hielt sie hoch in die Luft und drehte sich im Kreis.

Nemo schaute zum Himmel hinauf. Er sah Vögel fliegen und wünschte sich, das auch zu können. "Mit dieser Feder kann ich bestimmt fliegen!", sagte Nemo aufgeregt. Er drückte die Feder an seine Brust. In seinen Gedanken schwebte er schon durch die Wolken. Die anderen Erdmännchen würden staunen! Nemo lächelte hinter seiner großen Brille. Sein Herz klopfte schnell vor Freude. Morgen würde er es versuchen!

Am nächsten Morgen wachte Nemo früh auf. Die bunte Feder lag neben ihm. "Heute ist der große Tag!", flüsterte er. Er putzte seine Brille sauber. Dann schaute er zum Baobab-Baum hinüber. Der Baum war sehr hoch. Von oben könnte er bestimmt losfliegen! Nemo nahm die Feder fest in seine Pfote. Er atmete tief ein. "Ich bin bereit!", sagte er mutig. Dann lief er zum Baum.

Nemo stand am Fuß des Baobab-Baums. Der Stamm war dick und rau. Er legte die Feder zwischen seine Zähne. Dann begann er zu klettern. Seine kleinen Pfoten griffen die Rinde fest. Schritt für Schritt ging er höher. Seine Brille rutschte ein bisschen. Aber Nemo gab nicht auf. Er kletterte weiter und weiter. Der Boden wurde immer kleiner unter ihm. "Fast geschafft!", dachte Nemo.

Nemo kletterte an den dicken Ästen vorbei. Seine Beine wurden müde. Aber er dachte an das Fliegen. Das gab ihm neue Kraft. Die Feder in seinem Maul erinnerte ihn an seinen Traum. Er sah Vögel an ihm vorbeifliegen. "Bald fliege ich auch!", rief er ihnen zu. Die Vögel zwitscherten zurück. Nemo lächelte. Noch ein paar Äste, dann war er oben. Er kletterte tapfer weiter.

Endlich erreichte Nemo den höchsten Ast. Der Wind wehte sanft durch sein flauschiges Fell. Seine Brille beschlug ein wenig. Von hier oben konnte er weit sehen! Die Savanne erstreckte sich in alle Richtungen. Nemo holte die Feder aus seinem Maul. Er hielt sie hoch über seinen Kopf. "Jetzt werde ich fliegen!", rief er laut. Sein Herz schlug wild vor Aufregung. Nemo stellte sich auf die Zehenspitzen.

Nemo stand am Rand des Astes. Er drückte die Feder fest an sich. "Eins, zwei, drei!", zählte er. Dann sprang er! Die Luft rauschte an seinen Ohren vorbei. Nemo wedelte mit der Feder. Aber er flog nicht. Er fiel! "Oh nein!", rief Nemo erschrocken. Der Boden kam näher und näher. Seine Brille flog fast von seiner Nase. Nemo kniff die Augen zu. Dann landete er weich im Gras.

Nemo lag im weichen Gras. Ihm tat nichts weh. Er öffnete die Augen. Seine Brille saß noch auf der Nase! Plötzlich hörte er ein leises Piepen. Nemo schaute um sich. Neben ihm lag ein kleines gelbes Küken! Es sah ängstlich aus. "Piep, piep!", machte das Küken traurig. Es musste aus dem Nest gefallen sein. Nemo vergaß seinen gescheiterten Flugversuch. Das Küken brauchte Hilfe!

"Hab keine Angst, kleines Küken!", sagte Nemo sanft. Er stand auf und klopfte das Gras von seinem Fell. Das Küken piepte wieder. Nemo schaute nach oben. Hoch im Baum sah er ein Nest. "Du kommst von da oben, nicht wahr?", fragte Nemo. Das Küken nickte mit seinem kleinen Kopf. Nemo nahm seine bunte Feder. "Ich bringe dich nach Hause!", versprach er. Das Küken piepte fröhlicher.

Nemo legte die Feder ins Gras. Vorsichtig hob er das Küken hoch. Es war warm und weich. Dann begann Nemo wieder zu klettern. Diesmal war er noch vorsichtiger. Das Küken saß sicher in seiner Pfote. Schritt für Schritt ging es nach oben. Nemos Beine waren müde, aber er gab nicht auf. "Gleich bist du zu Hause!", sagte er dem Küken. Endlich erreichten sie das Nest. Nemo setzte das Küken sanft hinein.

Die Vogelmutter kam zum Nest geflogen. Sie sah ihr Küken und dann Nemo. "Piep! Piep!", rief sie glücklich. Der Vogelvater kam auch. Beide Vögel zwitscherten fröhlich. Sie dankten Nemo für seine Hilfe. "Gern geschehen!", sagte Nemo und lächelte. Die Vogeleltern gaben ihm eine ihrer schönsten Federn. Nemo nahm sie dankbar an. Dann kletterte er vorsichtig wieder hinunter. Sein Herz war warm und glücklich.

Am Boden angekommen, hob Nemo beide Federn auf. Er schaute sie an und lächelte. "Ich kann nicht fliegen", sagte er leise. "Aber ich kann helfen!" Das war viel wichtiger als Fliegen. Nemo ging nach Hause zu seiner Familie. Sie hörten seine Geschichte und waren sehr stolz. "Du bist unser Held!", sagten sie. Nemo putzte seine Brille glücklich. Manchmal war Helfen das größte Abenteuer von allen!