

Otto der Eulchen saß auf einem dicken Ast. Seine großen bernsteinfarbenen Augen leuchteten. "Heute lerne ich fliegen!", piepste er fröhlich. Er flatterte mit seinen kleinen, flauschigen Flügeln. Die anderen Vögel flogen so leicht durch die Luft. Otto wollte das auch können. Er hüpfte aufgeregt hin und her. "Ich schaffe das!", rief er mutig. Die Sterne funkelten am Himmel. Es war eine perfekte Nacht zum Fliegen.

Otto nahm all seinen Mut zusammen. Er breitete seine Flügel aus. Dann sprang er vom Ast! "Wheeee!", rief er begeistert. Seine Flügel schlugen wild. Er flog! Aber nur ein kleines Stück. Plumps! Otto landete auf einem weichen Moospolster. "Das war gar nicht so schlimm", kicherte er. Er schüttelte sein flauschiges Federkleid. "Noch einmal!", beschloss Otto. Fliegen machte Spaß, auch wenn es noch nicht perfekt war.

Otto kletterte wieder auf seinen Ast. Plötzlich sah er etwas Leuchtendes. Ein kleiner Glühwurm tanzte durch die Luft. "Wie schön!", staunte Otto. Seine großen Augen folgten dem hellen Licht. Der Glühwurm leuchtete gelb und grün. Er schwebte zwischen den Bäumen. Otto konnte nicht wegsehen. Das Licht war so faszinierend! "Ich möchte dir folgen", flüsterte Otto dem Glühwurm zu. Er vergaß alles um sich herum.

Otto sprang wieder vom Ast. Er flog dem Glühwurm hinterher. Seine Augen schauten nur auf das Licht. "Warte auf mich!", rief Otto. Er achtete nicht auf die Bäume. Plötzlich - BUMM! Otto flog direkt gegen eine dicke Kiefer. "Autsch!", piepste er erschrocken. Er fiel ins weiche Gras. Sein Köpfchen drehte sich. Das tat weh! Der Glühwurm flog davon. Otto blieb verwirrt liegen.

Otto rappelte sich auf. Seine Flügel taten ein bisschen weh. "Ich kann nicht fliegen", sagte er leise. Eine kleine Träne kullerte über sein flauschiges Gesicht. "Alle anderen können es, nur ich nicht." Er setzte sich unter die große Kiefer. Die Nacht fühlte sich plötzlich sehr groß an. Otto fühlte sich sehr klein. "Vielleicht bin ich zu tollpatschig", seufzte er. Seine großen Augen schauten traurig zum Himmel hinauf.

"Warum so traurig, kleiner Otto?", fragte eine sanfte Stimme. Otto schaute hoch. Auf einem hohen Ast saß eine große, alte Eule. Ihr Gefieder war grau und weise. "Ich kann nicht richtig fliegen", erklärte Otto leise. Die alte Eule lächelte freundlich. "Das kann jeder lernen", sagte sie. "Ich heiße Ella. Möchtest du, dass ich dir helfe?" Ottos Augen wurden ganz groß. "Oh ja, bitte!", rief er hoffnungsvoll.

Ella flog zu Otto hinunter. "Zuerst musst du lernen zu schauen", erklärte sie. "Schaue immer, wohin du fliegst, nicht woanders hin." Otto nickte eifrig. "Der Glühwurm war so schön", gab er zu. "Ja", sagte Ella, "aber beim Fliegen müssen deine Augen den Weg sehen." Sie zeigte auf die Bäume. "Siehst du die Lücken zwischen den Ästen?" Otto schaute genau hin. "Ja, ich sehe sie!"

"Jetzt fliegen wir zusammen", sagte Ella. Sie flatterte langsam los. Otto folgte ihr vorsichtig. "Schau auf den nächsten Ast", rief Ella. Otto konzentrierte sich. Seine Flügel schlugen gleichmäßig. Er flog um einen dicken Baumstamm herum. "Prima!", lobte Ella. Otto fühlte sich stolz. Er flog zwischen zwei Kiefern hindurch. Kein Zusammenstoß! "Das macht Spaß!", jubelte Otto. Ella lachte fröhlich. "Du lernst schnell, kleiner Freund!"

Ella zeigte Otto noch mehr Tricks. "Breite deine Flügel weit aus", erklärte sie. "Dann kannst du gleiten wie auf Wellen." Otto versuchte es. Er glitt sanft durch die Luft! "Wow!", rief er begeistert. Der Wind trug ihn zwischen den Bäumen hindurch. Es fühlte sich wunderbar an. "Wenn du langsamer werden willst, klapp die Flügel ein bisschen", zeigte Ella. Otto übte und übte. Jedes Mal wurde es besser.

Da! Der Glühwurm kam wieder vorbeigeflogen. Sein Licht leuchtete hell. Otto fühlte den Wunsch, hinzuschauen. "Denk daran", mahnte Ella sanft, "schau auf deinen Weg!" Otto nickte. Er schaute nach vorn. Trotzdem konnte er den Glühwurm aus dem Augenwinkel sehen. Otto flog sicher um die Bäume herum. Diesmal knallte er nirgends dagegen! "Ich hab's geschafft!", rief er glücklich. Ella klatschte mit den Flügeln.

"Jetzt versuch es allein", sagte Ella ermunternd. Otto holte tief Luft. Er flog los, ganz allein! Seine Flügel trugen ihn sicher. Er glitt um Kiefern herum. Er schwebte über Büsche. Er flog unter Ästen hindurch. Alles klappte perfekt! Otto drehte eine Runde. Er flog zu Ella zurück. "Du bist ein richtiger Flieger jetzt!", lobte sie stolz. Otto strahlte über sein ganzes Eulengesicht. Er hatte es geschafft!

Otto flog nun jeden Abend. Er glitt sicher durch den Wald. Die Sterne funkelten über ihm. "Danke, Ella!", rief er seiner Lehrerin zu. Ella winkte mit ihrem Flügel. Otto fühlte sich frei und glücklich. Er war nicht mehr tollpatschig. Seine großen bernsteinfarbenen Augen leuchteten vor Freude. "Ich kann fliegen!", sang er in die Nacht. Der kleine, flauschige Eulchen war jetzt ein richtiger Pilot der Nacht.