

Pickel der Igel spazierte durch den Wald. Sein blauer Schal wehte im Wind. Plötzlich hörte er ein leises Niesen. "Hatschi!" Es kam vom alten Baum. Pickel schaute hinauf. Die weise Eule Olga saß auf dem Ast. Sie sah müde aus. "Guten Morgen, Olga", rief Pickel. "Geht es dir gut?" Die Eule schniefte. "Ich fühle mich nicht wohl, lieber Pickel. Ich habe mich erkältet." Pickel war besorgt um seine Freundin.

Pickel dachte nach. "Ich muss Olga helfen", sagte er zu sich selbst. Er erinnerte sich an seine Oma. Sie machte immer besonderen Tee bei Erkältung. "Lindenblüten und getrocknete Himbeeren", murmelte Pickel. "Das brauche ich!" Er schaute zur Eule hinauf. "Olga, ich komme gleich zurück. Ich bringe dir etwas, das dir hilft." Die Eule nickte schwach. "Danke, Pickel", flüsterte sie. Pickel machte sich sofort auf den Weg.

Pickel lief zum großen Lindenbaum am Waldrand. Der Baum war hoch und stark. Seine Blüten dufteten wunderbar. "Hier muss ich hinaufklettern", sagte Pickel. Aber Igel können nicht gut klettern. Pickel versuchte es trotzdem. Er rutschte immer wieder ab. "Oh nein, wie komme ich da hoch?" Er setzte sich hin und überlegte. Dann hatte er eine Idee. Er sammelte die Blüten, die auf dem Boden lagen. "Das reicht auch!"

Nun brauchte Pickel noch getrocknete Himbeeren. Er wusste, wo Himbeersträucher wuchsen. Er lief schnell dorthin. Die Sträucher waren voller roter Beeren. Einige waren schon getrocknet. "Perfekt!", rief Pickel fröhlich. Er pflückte vorsichtig die getrockneten Himbeeren. Seine kleinen Pfoten füllten sich. Der blaue Schal wehte um seinen Hals. "Jetzt habe ich alles für den Tee", sagte er stolz. Pickel machte sich auf den Rückweg.

Pickel kam zu seinem kleinen Haus. Er holte seinen Kessel hervor. Wasser füllte er hinein und stellte ihn aufs Feuer. Das Wasser begann zu blubbern und zu kochen. Pickel gab die Lindenblüten hinein. Dann kamen die getrockneten Himbeeren dazu. Ein wunderbarer Duft erfüllte sein Haus. "Das riecht schon heilend", sagte Pickel lächelnd. Er wartete geduldig, bis der Tee fertig war. Der Tee wurde goldgelb und duftete süß.

Pickel füllte den Tee in eine Tasse. Vorsichtig trug er sie zum alten Baum. Es war nicht leicht für einen kleinen Igel. Der Weg war holprig. "Ich darf nichts verschütten", murmelte er. Langsam und vorsichtig ging er Schritt für Schritt. Endlich kam er beim Baum an. "Olga, ich bin zurück!", rief er hinauf. Die Eule öffnete müde ihre Augen. "Du bist ein guter Freund, Pickel", sagte sie schwach.

Pickel schaute hinauf zur Eule. Dann schaute er auf die Tasse. "Wie bringe ich den Tee zu dir hinauf?" Die Eule war zu schwach zum Herunterfliegen. Pickel konnte nicht klettern. "Das ist ein Problem", sagte die Eule. Pickel überlegte angestrengt. Sein blauer Schal wehte im Wind. Plötzlich hatte er eine Idee! "Ich weiß, was wir machen können", rief er aufgeregt. Die Eule wartete gespannt auf Pickels Plan.

"Ich binde die Tasse an meinen Schal", sagte Pickel. "Dann wirfst du ein Ende deines Flügels herunter. Du ziehst den Schal mit der Tasse hinauf!" Die Eule nickte. "Das ist eine gute Idee." Pickel band die Tasse fest an seinen Schal. Die Eule ließ ihren Flügel herunterhängen. Pickel band das andere Ende fest. "Jetzt zieh vorsichtig!", rief er. Langsam zog die Eule den Schal hinauf. Die Tasse schaukelte, aber nichts verschüttete.

Die Eule erreichte die Tasse. Sie nahm einen vorsichtigen Schluck. "Mmm, das schmeckt wunderbar", sagte Olga. Der warme Tee tat ihr gut. Sie trank langsam weiter. Pickel schaute von unten zu. "Trink alles aus, Olga", rief er. Die Eule trank die ganze Tasse leer. "Das war genau das Richtige", sagte sie. Ihre Stimme klang schon etwas stärker. Pickel freute sich sehr. Sein Plan hatte funktioniert!

Pickel setzte sich unter den Baum. "Ich bleibe hier bei dir", sagte er zur Eule. "Danke, lieber Freund", antwortete Olga. Pickel erzählte lustige Geschichten. Die Eule musste lachen, auch wenn sie noch krank war. Die Sonne wanderte über den Himmel. Pickel sang ein fröhliches Lied. Die Eule schloss die Augen und ruhte sich aus. "Deine Gesellschaft ist auch Medizin", flüsterte Olga. Pickel lächelte unter seinem blauen Schal.

Am nächsten Morgen kam Pickel wieder zum Baum. Er brachte noch mehr Tee mit. "Guten Morgen, Olga!", rief er hinauf. Die Eule öffnete ihre Augen weit. "Guten Morgen, Pickel!" Ihre Stimme klang kräftig und klar. "Wie fühlst du dich?", fragte Pickel aufgeregt. "Viel besser!", antwortete die Eule. "Dein Tee hat mir wirklich geholfen." Sie breitete ihre Flügel aus. "Ich fühle mich fast wieder gesund!" Pickel tanzte vor Freude.

Die Eule flog vom Baum herunter. Sie landete neben Pickel. "Du warst ein wunderbarer Krankenpfleger", sagte Olga. Sie umarmte ihren Freund vorsichtig. "Danke, dass du mir geholfen hast." Pickel wurde ganz warm ums Herz. "Das machen Freunde doch füreinander", sagte er. Sein blauer Scarf leuchtete in der Sonne. Die Eule und der Igel lachten zusammen. Von diesem Tag an waren sie noch bessere Freunde. Und Pickel wusste jetzt alles über heilenden Tee!
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